Aus der Sicht des Daoismus bedeutet es nicht Kälte oder Egoismus, wenn man nicht leichtfertig in das Karma anderer eingreift. Es bedeutet, die ureigene Lebensbahn jedes Menschen zu respektieren.
Viele Menschen handeln aus Güte. Wenn sie andere leiden oder in tiefem Anhaften gefangen sehen, möchten sie sie unbedingt retten – für sie Entscheidungen treffen, ihnen die Realität vor Augen führen und sie aus dem Sumpf ziehen.
Doch im Daoismus ist Karma die Lebenslektion, die sich aus den eigenen Erfahrungen, Anhaftungen, Entscheidungen und Prüfungen eines Menschen zusammensetzt. Diese Lektion kann nur durch eigenes Erleben und Begreifen gelernt werden.
Sag deinen Teil, und dann hör auf. Erwachen sie, ist das dein Segen. Erwachen sie nicht, ist das ihr Schicksal.
Der Kern dieses Satzes: Deine Güte ist nur für das „Erinnern“ zuständig, nicht dafür, „ihr Leben für sie zu leben“.
Du kannst die Wahrheit klar aussprechen und Vor- und Nachteile offen darlegen. Das ist deine gute Tat – das ist dein Segen, und damit ist dein Gewissen rein.
Aber wenn der andere innerlich noch nicht bereit ist, wenn sein Anhaften zu tief sitzt und er nicht hören will, dann kannst du ihn selbst mit deinem ganzen Herzen nicht ändern. Das ist nicht dein Versagen – es bedeutet nur, dass seine Lektion noch nicht abgeschlossen ist und durch sein eigenes Schicksal gehärtet werden muss. Wenn du dich mit Gewalt einmischst und ihn „retten“ willst, ziehst du dir nur seine Lasten auf, verbrauchst deine eigene Energie und änderst doch nichts.